Bei Stress aktiviert der Körper innerhalb von Sekunden das sympathische Nervensystem und schüttet Hormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Puls und Blutdruck steigen, die Muskeln spannen sich an, Energie wird bereitgestellt. Diese Reaktion ist kurzfristig sinnvoll. Hält Stress aber über Wochen und Monate an, ohne dass sich der Körper erholt, kann er zu Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Problemen, Erschöpfung und erhöhter Infektanfälligkeit beitragen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen.
Die Stressreaktion: ein uraltes Notfallprogramm
Die Stressreaktion hat sich entwickelt, um in Gefahr schnell kämpfen oder fliehen zu können. Zwei Systeme arbeiten dabei zusammen. Das sympathische Nervensystem reagiert sofort: Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flacher und schneller, die Muskeln werden besser durchblutet, die Verdauung wird heruntergefahren. Etwas langsamer reagiert die Hormonachse vom Gehirn über die Hirnanhangsdrüse zur Nebenniere, die Cortisol ausschüttet. Cortisol stellt Energie bereit und dämpft Entzündungsreaktionen.
Und danach: die Erholung
Genauso wichtig wie die Stressreaktion ist ihr Ende. Ist die Herausforderung vorbei, übernimmt der Parasympathikus, der Teil des Nervensystems, der für Ruhe, Verdauung und Regeneration zuständig ist. Puls und Atmung werden ruhiger, die Muskeln entspannen sich. Problematisch wird Stress dann, wenn diese Erholungsphase ausbleibt: weil eine Belastung auf die nächste folgt, weil man auch abends und am Wochenende gedanklich bei der Arbeit ist oder weil Sorgen den Alarmzustand aufrechterhalten.
Was Dauerstress bewirken kann
- Muskeln: anhaltende Anspannung, Verspannungen in Nacken und Schultern, Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen, Zähneknirschen.
- Schlaf: Einschlaf- und Durchschlafprobleme, weil das Nervensystem nicht herunterfährt.
- Verdauung: Magendrücken, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung, Reizdarmbeschwerden.
- Herz und Kreislauf: Herzklopfen, erhöhter Blutdruck.
- Immunsystem: häufigere Infekte.
- Psyche: Gereiztheit, Konzentrationsprobleme, Grübeln, Erschöpfung, Ängste, gedrückte Stimmung.
Diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben und sollten bei Bedarf ärztlich abgeklärt werden. Mehr zum Zusammenspiel im Beitrag Psychosomatische Beschwerden erkennen.
Stress und das Nervensystem
Aus neurologischer Sicht ist interessant, dass Stress auch die Schmerzwahrnehmung beeinflusst. Unter anhaltender Belastung kann das Nervensystem empfindlicher auf Schmerzreize reagieren. Das erklärt zum Teil, warum Menschen mit Migräne Stress häufig als Auslöser erleben und warum chronische Schmerzen in belastenden Lebensphasen oft zunehmen. Mehr dazu im Beitrag Migräne und Stress.
Was der Körper zur Erholung braucht
- Bewegung: Sie baut Stresshormone ab und hilft, Anspannung loszuwerden.
- Ruhige Atmung: Eine verlängerte Ausatmung aktiviert den Parasympathikus. Übungen finden Sie im Beitrag Atemübungen gegen Stress.
- Pausen: Kurze Unterbrechungen über den Tag verhindern, dass sich Anspannung aufschaukelt.
- Schlaf: Ein regelmäßiger Rhythmus ist die wichtigste Erholungszeit.
- Soziale Kontakte: Gespräche mit vertrauten Menschen dämpfen die Stressreaktion.
- Achtsamkeit: Sie kann helfen, Anspannung früher zu bemerken und anders zu reagieren.
Wann Unterstützung sinnvoll ist
Wenn Sie merken, dass Sie nicht mehr abschalten können, dass körperliche Beschwerden zunehmen, dass Sie schlecht schlafen und Ihre Belastbarkeit sinkt, ist es Zeit gegenzusteuern. Lassen Sie körperliche Beschwerden ärztlich abklären. Für die Stressbewältigung gibt es vorbeugende Angebote und, wenn bereits eine Erkrankung vorliegt, psychotherapeutische Behandlung.
In der Privatpraxis in Ulm
In der KLARTRAUM Privatpraxis in Ulm verbindet Dr. Sarah Gagiannis als Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung fachgebundene Psychotherapie das Wissen über das Nervensystem mit psychotherapeutischer Arbeit. Bei Stress gibt es das ärztlich geleitete Achtsamkeitstraining, die präventive psychologische Beratung und bei stressbedingten Erkrankungen die fachgebundene Psychotherapie. Mehr unter Stress und Erschöpfung im Beruf.
Quellen: gesundheitsinformation.de (IQWiG); Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Stressreport und Informationen zu psychischer Belastung.
Dieser Beitrag der KLARTRAUM Privatpraxis dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Ist Stress immer schlecht?
Nein. Kurzfristiger Stress kann leistungsfähig machen und gehört zum Leben. Problematisch wird Stress, wenn er dauerhaft anhält und die Erholung ausbleibt.
Wie schnell beruhigt sich der Körper nach Stress?
Die akute Stressreaktion klingt meist innerhalb von Minuten bis Stunden ab, wenn die Belastung vorbei ist. Ruhige Atmung, Bewegung und Pausen können das unterstützen.
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