Stress ist einer der am häufigsten genannten Auslöser von Migräneattacken. Dabei kann nicht nur die Anspannung selbst eine Attacke begünstigen, sondern auch das plötzliche Nachlassen von Stress, etwa am Wochenende oder zu Beginn des Urlaubs. Stress verursacht Migräne nicht, die Veranlagung dazu ist angeboren. Er kann aber die Schwelle senken, ab der eine Attacke entsteht. Deshalb nennen die Leitlinien der neurologischen Fachgesellschaften neben Medikamenten auch Stressbewältigung, Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Ansätze als Baustein der Behandlung.
Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns
Migräne ist mehr als starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, bei der das Gehirn besonders empfindlich auf innere und äußere Reize reagiert. Typisch sind wiederkehrende, oft einseitige, pochende Kopfschmerzen über Stunden bis zu drei Tagen, begleitet von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei einem Teil der Betroffenen geht eine Aura voraus, zum Beispiel Flimmern oder Zickzacklinien im Gesichtsfeld. Die Neigung zur Migräne ist erblich mitbestimmt, ob und wann Attacken auftreten, hängt aber auch von Auslösern ab.
Wie Stress Attacken begünstigen kann
Ein Migränegehirn mag Regelmäßigkeit. Starke Schwankungen bringen es aus dem Gleichgewicht: zu wenig oder zu viel Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, Flüssigkeitsmangel, hormonelle Veränderungen, und eben Stress. Unter Anspannung schläft man oft schlechter, isst unregelmäßig, trinkt zu wenig und arbeitet länger. Mehrere Auslöser kommen so zusammen. Auffällig ist bei vielen Menschen die sogenannte Wochenend- oder Entlastungsmigräne: Die Attacke kommt nicht mitten in der stressigen Woche, sondern wenn der Druck nachlässt.
Wenn die Angst vor der Attacke selbst zur Belastung wird
Häufige Migräne verändert den Alltag. Viele Betroffene planen Termine um mögliche Attacken herum, sagen Verabredungen ab, haben ein schlechtes Gewissen gegenüber Kollegen und Familie und leben mit der ständigen Sorge vor der nächsten Attacke. Diese Erwartungsangst ist selbst ein Stressfaktor. Menschen mit Migräne haben zudem ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen. Das bedeutet nicht, dass die Migräne „psychisch“ ist, sondern dass die Erkrankung die Seele mitbelastet. Mehr dazu auf der Seite Psychotherapie bei Kopfschmerz und Migräne.
Was neben Medikamenten helfen kann
Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zur Migräne nennt verschiedene nichtmedikamentöse Verfahren als Ergänzung zur medikamentösen Behandlung:
- Regelmäßiger Ausdauersport wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Entspannungsverfahren, vor allem die progressive Muskelentspannung nach Jacobson
- Biofeedback, bei dem man lernt, körperliche Vorgänge bewusst zu beeinflussen
- Kognitive Verhaltenstherapie mit Stressbewältigung und dem Umgang mit Schmerz und Auslösern
Diese Verfahren ersetzen keine ärztliche Behandlung, sie ergänzen sie. Mehr dazu im Beitrag Entspannungsverfahren bei Migräne.
Was Sie selbst tun können
- Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre persönlichen Auslöser zu erkennen.
- Halten Sie Schlafzeiten und Mahlzeiten möglichst regelmäßig, auch am Wochenende.
- Planen Sie Übergänge: Statt von hundert auf null zu bremsen, lassen Sie stressige Phasen langsam ausklingen.
- Bauen Sie kurze Pausen in den Arbeitstag ein, siehe Achtsamkeit im Berufsalltag.
- Nehmen Sie Schmerzmittel nicht an zu vielen Tagen, siehe Kopfschmerz durch Schmerzmittel.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Neue, ungewohnt starke oder plötzlich einsetzende Kopfschmerzen, Kopfschmerzen mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Fieber und Nackensteife oder Kopfschmerzen nach einem Sturz gehören sofort ärztlich abgeklärt. Bei schlagartig einsetzenden, heftigsten Kopfschmerzen wählen Sie die 112.
Begleitung in Ulm
Kopfschmerzassoziierte psychische Belastungserscheinungen gehören zu den Tätigkeitsschwerpunkten von Dr. Sarah Gagiannis, Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung fachgebundene Psychotherapie, in der KLARTRAUM Privatpraxis in Ulm. Die psychotherapeutische Begleitung ergänzt die medizinische Kopfschmerzbehandlung. Die Praxis ist für Privatversicherte und Selbstzahler da.
Quellen: S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (DGN und DMKG, AWMF-Register 030-057); gesundheitsinformation.de (IQWiG), Themenseite Migräne.
Dieser Beitrag der KLARTRAUM Privatpraxis dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Ist Migräne psychisch?
Nein. Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit erblicher Veranlagung. Stress kann Attacken begünstigen, und die Erkrankung kann seelisch belasten. Deshalb kann eine psychotherapeutische Begleitung die medizinische Behandlung sinnvoll ergänzen.
Warum bekomme ich Migräne am Wochenende?
Viele Menschen erleben Attacken, wenn Stress nachlässt. Möglicherweise spielen auch veränderte Schlafzeiten, später Kaffee oder ausgelassene Mahlzeiten eine Rolle. Ein gleichmäßiger Rhythmus auch am Wochenende kann helfen.
Weiterlesen
- Entspannungsverfahren bei Migräne: PMR, Biofeedback und Verhaltenstherapie
- Kopfschmerztagebuch: Auslöser erkennen und Arztgespräche vorbereiten
- Spannungskopfschmerz: Ursachen, Unterschied zur Migräne und was hilft
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