Frühe Warnsignale eines Burnouts sind anhaltende Erschöpfung, die sich auch am Wochenende nicht legt, zunehmende innere Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit und das Gefühl, trotz großer Anstrengung weniger zu schaffen. Hinzu kommen oft Schlafprobleme, Gereiztheit, Rückzug und körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen. Wer solche Zeichen über Wochen bei sich bemerkt, sollte früh gegensteuern und sich Unterstützung holen, bevor die Erschöpfung chronisch wird.
Was Burnout ist und was nicht
Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burnout in ihrer Klassifikation ICD-11 als ein Syndrom, das aus chronischem Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Burnout ist dort als Faktor eingeordnet, der den Gesundheitszustand beeinflusst, nicht als eigenständige Krankheit. Drei Merkmale werden genannt: ein Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung, eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zur eigenen Arbeit und eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit. Wichtig ist die Abgrenzung zu Erkrankungen wie Depression, Angststörungen oder körperlichen Ursachen der Erschöpfung, die ähnlich aussehen können. Mehr dazu im Beitrag Burnout oder Depression?
Frühe Warnsignale
- Sie sind dauerhaft müde, und Erholung am Wochenende oder im Urlaub reicht nicht mehr.
- Sie denken auch abends und nachts an die Arbeit und können schwer abschalten.
- Dinge, die Ihnen früher leicht fielen, kosten viel Kraft.
- Sie reagieren gereizter, ungeduldiger oder zynischer als sonst.
- Sie ziehen sich von Freunden, Familie oder Hobbys zurück.
- Sie schlafen schlechter, wachen früh auf oder fühlen sich morgens wie gerädert.
- Körperliche Beschwerden nehmen zu: Kopfschmerzen, Verspannungen, Magenprobleme, Infekte.
- Sie greifen häufiger zu Kaffee, Alkohol oder anderen Mitteln, um zu funktionieren.
Wie es dazu kommt
Burnout entsteht selten durch eine einzelne Ursache. Meist treffen hohe Anforderungen auf wenig Spielraum: viel Verantwortung, wenig Einfluss, ständige Erreichbarkeit, fehlende Anerkennung, Konflikte im Team oder Unsicherheit über den Arbeitsplatz. Persönliche Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, etwa ein hoher Anspruch an sich selbst, Schwierigkeiten, Nein zu sagen, oder die Neigung, Erholung erst zuzulassen, wenn alles erledigt ist. Wer zusätzlich Familie, Pflege von Angehörigen oder eigene Erkrankungen schultert, hat weniger Puffer.
Was Sie jetzt tun können
- Belastungen sichtbar machen: Schreiben Sie eine Woche lang auf, was Sie Kraft kostet und was Ihnen Kraft gibt.
- Grenzen ziehen: Feste Feierabendzeiten, keine Mails im Bett, echte Pausen ohne Bildschirm.
- Erholung einplanen: nicht als Belohnung für erledigte Arbeit, sondern als festen Termin. Mehr dazu im Beitrag Achtsamkeit im Berufsalltag.
- Bewegung und Schlaf: regelmäßige Bewegung und ein stabiler Schlafrhythmus stärken die Belastbarkeit.
- Gespräche suchen: mit vertrauten Menschen, und wenn möglich auch mit Vorgesetzten über Arbeitslast und Prioritäten.
Wann Sie Hilfe suchen sollten
Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn die Erschöpfung über Wochen anhält, wenn Sie Ihren Alltag kaum noch bewältigen, wenn Freude und Antrieb fehlen oder wenn körperliche Beschwerden zunehmen. Erschöpfung kann auch körperliche Ursachen haben, zum Beispiel Blutarmut oder Schilddrüsenerkrankungen. Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich sofort an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder an die 112.
Zwei Wege in der Privatpraxis in Ulm
In der KLARTRAUM Privatpraxis in Ulm gibt es bei Stress und Erschöpfung zwei Wege. Wer frühzeitig gegensteuern möchte, ohne dass eine psychische Erkrankung vorliegt, findet in der präventiven psychologischen Beratung und im Achtsamkeitstraining ein vorbeugendes Angebot. Liegt bereits eine stressbedingte Erkrankung vor, kommt die fachgebundene Psychotherapie in Betracht. Arbeitsbezogene psychische Erkrankungen und stressbedingte Belastungsreaktionen gehören zu den Tätigkeitsschwerpunkten von Dr. Sarah Gagiannis. Mehr unter Stress und Erschöpfung im Beruf.
Quellen: WHO, ICD-11, QD85 Burnout; gesundheitsinformation.de (IQWiG), Themenseite Burnout; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Informationen zu psychischer Belastung.
Dieser Beitrag der KLARTRAUM Privatpraxis dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Kann man wegen Burnout krankgeschrieben werden?
Eine Krankschreibung erfolgt auf Grundlage einer ärztlichen Diagnose, etwa einer Erschöpfungsreaktion, Depression oder Angststörung. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sie sich nicht mehr arbeitsfähig fühlen.
Hilft Urlaub bei Burnout?
In einer frühen Phase kann Erholung helfen. Wenn Sie aber merken, dass die Erschöpfung nach dem Urlaub schnell zurückkommt, reicht Urlaub allein nicht aus. Dann lohnt es sich, Belastungen und Gewohnheiten grundsätzlich anzuschauen.
Weiterlesen
- Burnout oder Depression? Gemeinsamkeiten und Unterschiede
- Was Stress im Körper macht: Nervensystem, Hormone und Beschwerden
- Beruf. Belastung. Balance. – erste hilfreiche Schritte
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