Psychosomatische Beschwerden sind körperliche Symptome, an deren Entstehung oder Verlauf seelische Faktoren wie Stress, Belastungen oder Ängste beteiligt sind. Typisch sind zum Beispiel Rücken- und Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herzklopfen, Schwindel, Erschöpfung oder Atembeschwerden. Die Beschwerden sind echt und nicht eingebildet. Wichtig ist eine sorgfältige körperliche Abklärung und danach ein Behandlungsansatz, der Körper und Psyche gemeinsam betrachtet.
Was der Begriff bedeutet
Psychosomatik verbindet die griechischen Wörter für Seele und Körper. Gemeint ist, dass beide eng zusammenarbeiten. Das kennt jeder aus dem Alltag: Herzklopfen vor einer Prüfung, ein flaues Gefühl im Magen vor einem schwierigen Gespräch, ein verspannter Nacken nach einer anstrengenden Woche. Halten Belastungen lange an, können sich solche Reaktionen verselbstständigen und zu anhaltenden Beschwerden werden. Umgekehrt beeinflussen körperliche Erkrankungen das seelische Befinden.
Typische Beschwerden
- Schmerzen: Kopf, Rücken, Gelenke, Brustkorb, Bauch
- Magen und Darm: Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung, Reizdarm
- Herz und Kreislauf: Herzklopfen, Herzstolpern, Druck auf der Brust
- Atmung: Engegefühl, das Gefühl, nicht durchatmen zu können
- Nervensystem: Schwindel, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Zittern
- Allgemein: Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme
Alle diese Beschwerden können auch körperliche Ursachen haben. Deshalb steht am Anfang immer eine ärztliche Untersuchung.
Echt, auch ohne Befund
Viele Betroffene haben eine lange Reihe von Untersuchungen hinter sich, ohne dass eine Ursache gefunden wurde. Der Satz „Sie haben nichts“ kann sich anfühlen, als würde man nicht ernst genommen. Dabei sind die Beschwerden real. Die S3-Leitlinie zu funktionellen Körperbeschwerden betont, dass Ärztinnen und Ärzte die Beschwerden anerkennen und verständlich erklären sollten, wie sie entstehen können. Mehr dazu im Beitrag Körperliche Beschwerden ohne Befund.
Wie der Kreislauf entsteht
Ein Beispiel: Unter Stress spannt sich die Muskulatur an, es kommt zu Rückenschmerzen. Man schont sich, bewegt sich weniger, macht sich Sorgen, ob etwas Ernstes dahintersteckt, und achtet ständig auf den Rücken. Die Aufmerksamkeit verstärkt die Wahrnehmung des Schmerzes, die Schonung schwächt die Muskulatur, die Sorge erhöht die Anspannung. So können körperliche und seelische Faktoren sich gegenseitig verstärken. Für Kopfschmerzen beschreibt das die Seite Psychotherapie bei Kopfschmerz und Migräne.
Was helfen kann
Die Leitlinie empfiehlt bei funktionellen und psychosomatischen Körperbeschwerden einen gestuften Ansatz: Zuerst eine gründliche, aber nicht ausufernde Abklärung, verständliche Erklärungen und die Ermutigung, aktiv zu bleiben. Dazu gehören körperliche Aktivität, ein geregelter Tagesablauf und Entspannung. Bleiben die Beschwerden belastend, wird eine Psychotherapie empfohlen, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, die Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gefühlen, Verhalten und Körper bearbeitet. Ziel ist nicht, Beschwerden wegzureden, sondern wieder mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.
Erste eigene Schritte
- Beobachten Sie, in welchen Situationen die Beschwerden stärker oder schwächer sind.
- Bleiben Sie in Bewegung, in kleinen, machbaren Schritten.
- Planen Sie Erholung bewusst ein, nicht nur, wenn nichts mehr geht.
- Üben Sie ein Entspannungsverfahren, zum Beispiel den Body Scan.
- Vermeiden Sie stundenlange Internetrecherche zu Symptomen, sie verstärkt häufig die Sorge.
Psychosomatik in der Privatpraxis in Ulm
Psychosomatische Erkrankungen und Somatisierungsstörungen gehören zu den Tätigkeitsschwerpunkten von Dr. Sarah Gagiannis in der KLARTRAUM Privatpraxis in Ulm. Als Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung fachgebundene Psychotherapie berücksichtigt sie organische und psychische Ursachen gemeinsam. Mehr unter Psychosomatische Beschwerden.
Quellen: S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden (DGPM, DKPM u. a., AWMF-Register 051-001); gesundheitsinformation.de (IQWiG).
Dieser Beitrag der KLARTRAUM Privatpraxis dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Bilde ich mir meine Beschwerden ein?
Nein. Psychosomatische Beschwerden sind echt und können sehr belastend sein. Der Begriff sagt nur, dass seelische Faktoren an ihrer Entstehung oder ihrem Verlauf beteiligt sind.
Wer ist für psychosomatische Beschwerden zuständig?
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis, die körperliche Ursachen abklärt. Bei anhaltender Belastung kommen Fachärztinnen und Fachärzte für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie oder ärztliche und psychologische Psychotherapeutinnen in Betracht.
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