Burnout und Depression ähneln sich in vielen Anzeichen, etwa Erschöpfung, Schlafstörungen und Rückzug, sind aber nicht dasselbe. Burnout beschreibt laut WHO die Folgen chronischen, unbewältigten Stresses im Beruf und ist keine eigene Krankheitsdiagnose. Eine Depression ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung, die alle Lebensbereiche betrifft, mit gedrückter Stimmung, Verlust von Freude und Interesse und vermindertem Antrieb. Hinter einem vermeintlichen Burnout kann eine Depression stecken. Deshalb ist eine fachliche Einschätzung wichtig.
Gemeinsamkeiten
Beide Zustände können mit tiefer Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen, Reizbarkeit, sozialem Rückzug und körperlichen Beschwerden einhergehen. Beide entwickeln sich häufig schleichend. Und beide werden oft lange bagatellisiert, weil Betroffene glauben, sie müssten sich einfach mehr zusammenreißen.
Unterschiede
- Bezug: Burnout ist auf den Arbeitskontext bezogen. Eine Depression betrifft das ganze Leben, auch Freizeit, Beziehungen und Dinge, die früher Freude gemacht haben.
- Stimmung: Bei Burnout steht Erschöpfung im Vordergrund, oft mit Zynismus gegenüber der Arbeit. Bei einer Depression kommen gedrückte Stimmung, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle und ein geringes Selbstwertgefühl hinzu.
- Erholung: Bei einer beginnenden Erschöpfung können Urlaub und Entlastung noch helfen. Bei einer Depression bessert sich die Stimmung durch Freizeit meist nicht.
- Einordnung: Burnout ist in der ICD-11 der WHO als Phänomen im beruflichen Kontext beschrieben. Depression ist eine anerkannte Erkrankung mit klaren diagnostischen Kriterien und leitliniengerechten Behandlungen.
Warum die Unterscheidung wichtig ist
Burnout gilt gesellschaftlich als eher akzeptiert, weil es mit Leistung verbunden wird. Manche Menschen sprechen deshalb lieber von Burnout, obwohl sie unter einer Depression leiden. Das kann dazu führen, dass eine wirksame Behandlung zu spät beginnt. Eine Depression braucht mehr als Entlastung im Job. Die Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression empfiehlt je nach Schweregrad Psychotherapie, Medikamente oder beides. Umgekehrt ist nicht jede Erschöpfung eine Depression, und nicht jeder Mensch mit Arbeitsstress braucht eine Psychotherapie.
Anzeichen, bei denen Sie an eine Depression denken sollten
Wenn Sie über mindestens zwei Wochen fast jeden Tag niedergeschlagen sind, an fast nichts mehr Freude oder Interesse haben und sich antriebslos fühlen, kann eine Depression vorliegen. Weitere Anzeichen sind Schlafstörungen, besonders frühes Erwachen, Appetitveränderungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und Gedanken an den Tod. Eine Diagnose stellt nur eine Ärztin oder ein Arzt oder eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut im persönlichen Gespräch. Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder an die 112.
Körperliche Ursachen nicht vergessen
Erschöpfung kann auch körperliche Gründe haben, etwa Blutarmut, Schilddrüsenerkrankungen, Schlafapnoe, Infektionen oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose gehen oft mit einer ausgeprägten Erschöpfung einher. Eine ärztliche Untersuchung gehört deshalb immer dazu.
Was helfen kann
Bei einer beginnenden Erschöpfung ohne Erkrankung stehen Entlastung, Grenzen, Erholung und Stressbewältigung im Vordergrund. Präventive Angebote können helfen, früh gegenzusteuern. Bei einer Depression oder einer ausgeprägten Erschöpfung mit Krankheitswert ist eine Behandlung angezeigt, häufig Psychotherapie. In der Verhaltenstherapie geht es zum Beispiel darum, wieder Aktivitäten aufzubauen, belastende Denkmuster zu verändern und Überforderung im Alltag zu verringern.
In der Privatpraxis in Ulm
In der KLARTRAUM Privatpraxis in Ulm gehören depressive Störungen, stressbedingte Belastungsreaktionen und arbeitsbezogene psychische Erkrankungen zu den Tätigkeitsschwerpunkten von Dr. Sarah Gagiannis, Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung fachgebundene Psychotherapie. Für Menschen ohne psychische Erkrankung gibt es die präventive psychologische Beratung. Mehr unter Psychotherapie bei Depression und Stress und Erschöpfung im Beruf.
Quellen: WHO, ICD-11, QD85 Burnout; Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression; gesundheitsinformation.de (IQWiG), Themenseiten Burnout und Depression.
Dieser Beitrag der KLARTRAUM Privatpraxis dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Kann aus einem Burnout eine Depression werden?
Anhaltende Erschöpfung durch chronischen Stress ist ein Risikofaktor für eine Depression. Deshalb ist es wichtig, früh gegenzusteuern und Warnsignale ernst zu nehmen.
Wer stellt die Diagnose?
Ärztinnen und Ärzte, etwa in der Hausarzt-, Psychiatrie- oder Psychotherapiepraxis, sowie psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, jeweils im persönlichen Gespräch.
Weiterlesen
- Burnout erkennen: Frühe Warnsignale und was Sie tun können
- Schlaf und Psyche: Wie Schlafstörungen, Depression und Angst zusammenhängen
- Psychologische Beratung oder Psychotherapie: Was passt zu meinem Anliegen?
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