Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzform. Er fühlt sich meist dumpf, drückend und beidseitig an, wie ein Band um den Kopf, ist leicht bis mittelstark und wird durch körperliche Aktivität nicht schlimmer. Gelegentliche Spannungskopfschmerzen sind harmlos. Treten sie an 15 oder mehr Tagen im Monat über mehr als drei Monate auf, spricht man von chronischem Spannungskopfschmerz. Dann helfen vor allem Bewegung, Entspannungsverfahren, Stressbewältigung und eine ärztlich begleitete Behandlung.
So unterscheidet er sich von Migräne
Die beiden häufigsten Kopfschmerzarten werden oft verwechselt. Einige Unterschiede helfen bei der Einordnung, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose:
- Charakter: Spannungskopfschmerz drückt oder zieht, Migräne pocht oder pulsiert häufig.
- Ort: Spannungskopfschmerz ist meist beidseitig, Migräne oft einseitig.
- Stärke: Spannungskopfschmerz ist leicht bis mittel, Migräne mittel bis stark.
- Bewegung: Bei Spannungskopfschmerz verschlechtert Treppensteigen die Schmerzen nicht, bei Migräne schon.
- Begleiterscheinungen: Übelkeit und Erbrechen gehören nicht zum Spannungskopfschmerz, bei Migräne sind sie typisch.
Manche Menschen haben beide Kopfschmerzarten. Ein Kopfschmerztagebuch hilft, sie auseinanderzuhalten.
Was ihn begünstigt
Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Verspannungen der Kopf- und Nackenmuskulatur und eine veränderte Schmerzverarbeitung im Nervensystem, besonders bei der chronischen Form. Als begünstigende Faktoren gelten unter anderem Stress, Anspannung, Schlafmangel, langes Sitzen in ungünstiger Haltung, Bewegungsmangel, zu wenig Flüssigkeit und ausgelassene Mahlzeiten. Bei chronischem Verlauf spielen häufig auch Ängste, depressive Verstimmungen und anhaltende Belastungen eine Rolle.
Was akut helfen kann
Bei gelegentlichem Spannungskopfschmerz helfen vielen Menschen frische Luft, ein Spaziergang, ausreichend Trinken oder das Auftragen von Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen, das in Studien eine Wirkung gezeigt hat. Rezeptfreie Schmerzmittel können sinnvoll sein, sollten aber nicht an zu vielen Tagen genommen werden, weil sonst ein Kopfschmerz durch Schmerzmittel entstehen kann. Mehr dazu im Beitrag Kopfschmerz durch Schmerzmittel.
Was langfristig hilft
- Regelmäßige Bewegung: Ausdauersport wie Walking, Radfahren oder Schwimmen mehrmals pro Woche.
- Entspannungsverfahren: zum Beispiel progressive Muskelentspannung, regelmäßig geübt.
- Stressbewältigung: Belastungen erkennen, Pausen einplanen, Grenzen setzen.
- Ausreichend Schlaf mit regelmäßigem Rhythmus.
- Verhaltenstherapeutische Ansätze: Bei chronischem Spannungskopfschmerz können sie helfen, den Umgang mit Schmerz und Stress zu verändern.
Bei häufigen oder chronischen Spannungskopfschmerzen kann ärztlich auch eine vorbeugende medikamentöse Behandlung erwogen werden. Das gehört in die Hand einer Hausarzt- oder Neurologiepraxis.
Kopfschmerz und Belastung
Wer über Monate an vielen Tagen Kopfschmerzen hat, ist oft erschöpft, gereizt und zieht sich zurück. Kopfschmerz und seelische Belastung können sich gegenseitig verstärken. Das macht den Schmerz nicht eingebildet, zeigt aber einen zusätzlichen Ansatzpunkt. Mehr zum Zusammenspiel auf der Seite Psychotherapie bei Kopfschmerz und Migräne.
Wann zum Arzt
Lassen Sie Kopfschmerzen ärztlich abklären, wenn sie neu auftreten, sich in ihrem Charakter verändern, an vielen Tagen im Monat bestehen oder Sie regelmäßig Schmerzmittel brauchen. Sofort Hilfe brauchen Sie bei plötzlich einsetzenden, heftigsten Kopfschmerzen, bei Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, bei Fieber mit Nackensteife oder nach einer Kopfverletzung. Dann wählen Sie die 112.
In der Privatpraxis in Ulm
In der KLARTRAUM Privatpraxis in Ulm begleitet Dr. Sarah Gagiannis, Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung fachgebundene Psychotherapie, Menschen, bei denen Kopfschmerz und psychische Belastung zusammenkommen. Die psychotherapeutische Begleitung ergänzt die medizinische Behandlung. Die Praxis ist für Privatversicherte und Selbstzahler da.
Quellen: S1-Leitlinie Therapie des episodischen und chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp (DGN und DMKG); Internationale Kopfschmerzklassifikation ICHD-3; gesundheitsinformation.de (IQWiG).
Dieser Beitrag der KLARTRAUM Privatpraxis dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Hilft Pfefferminzöl wirklich?
Pfefferminzöl, auf Stirn und Schläfen aufgetragen, hat in Studien eine Wirkung bei Spannungskopfschmerz gezeigt. Es eignet sich für gelegentliche Kopfschmerzen und hat kaum Nebenwirkungen. Augen und Schleimhäute sollten nicht in Kontakt damit kommen.
Kann Spannungskopfschmerz chronisch werden?
Ja. Treten die Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat über mehr als drei Monate auf, spricht man von chronischem Spannungskopfschmerz. Dann ist eine ärztliche Behandlung sinnvoll, oft ergänzt durch Entspannung und Stressbewältigung.
Weiterlesen
- Migräne und Stress: Wie beides zusammenhängt und was helfen kann
- Kopfschmerz durch Schmerzmittel: Die 10-Tage-Regel und was hilft
- Entspannungsverfahren bei Migräne: PMR, Biofeedback und Verhaltenstherapie
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