Ein Kopfschmerztagebuch ist eine einfache tägliche Notiz zu Ihren Kopfschmerzen: an welchen Tagen sie auftreten, wie stark und wie lange sie sind, welche Begleiterscheinungen es gibt, welche Mittel Sie genommen haben und was an dem Tag besonders war. Über einige Wochen geführt, zeigt es Muster und mögliche Auslöser, macht den Schmerzmittelverbrauch sichtbar und ist eine wertvolle Grundlage für das Gespräch in der Arztpraxis. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt es ausdrücklich.
Warum ein Tagebuch so viel bringt
Im Rückblick verschwimmen Kopfschmerztage. Wer gefragt wird, wie viele Tage er im letzten Monat Kopfschmerzen hatte, schätzt meist ungenau. Ein Tagebuch liefert verlässliche Zahlen. Es zeigt, ob Kopfschmerzen bestimmten Rhythmen folgen, etwa dem Zyklus oder dem Wochenende, ob es Zusammenhänge mit Schlaf, Stress, Mahlzeiten oder Wetter gibt, und ob Schmerzmittel an zu vielen Tagen genommen werden. Außerdem hilft es zu beurteilen, ob eine Behandlung wirkt.
Was Sie eintragen
- Datum und Uhrzeit des Beginns, Dauer der Kopfschmerzen
- Stärke, zum Beispiel auf einer Skala von 0 bis 10
- Art des Schmerzes: drückend, pochend, stechend; einseitig oder beidseitig
- Begleiterscheinungen: Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Aura
- Eingenommene Medikamente mit Uhrzeit und Wirkung
- Mögliche Auslöser: Schlaf, Stress, ausgelassene Mahlzeiten, Alkohol, Zyklus, besondere Ereignisse
- Einschränkung im Alltag: Konnten Sie arbeiten oder mussten Sie sich hinlegen?
Es gibt Vorlagen auf Papier, etwa von der DMKG, und Apps. Entscheidend ist nicht das Format, sondern dass Sie das Tagebuch regelmäßig führen, idealerweise jeden Abend, auch an Tagen ohne Kopfschmerzen.
Wie lange Sie es führen
Für eine erste Einschätzung sind vier bis acht Wochen sinnvoll, bei Migräne mit Bezug zum Zyklus besser drei Monate. Während einer Behandlung kann das Tagebuch weiterlaufen, um Veränderungen zu erkennen.
Auslöser erkennen, ohne sich verrückt zu machen
Ein Tagebuch kann helfen, persönliche Auslöser zu finden. Dabei ist Gelassenheit wichtig. Nicht jeder Faktor, der einmal vor einer Attacke auftrat, ist ein echter Auslöser, und ein Leben, das nur noch aus Vermeidung besteht, ist ebenfalls belastend. Bei Migräne sind häufig nicht einzelne Lebensmittel entscheidend, sondern das Zusammentreffen mehrerer Faktoren wie Schlafmangel, Stress und eine ausgelassene Mahlzeit. Mehr dazu im Beitrag Migräne und Stress.
Den Schmerzmittelverbrauch im Blick behalten
Ein wichtiger Nutzen des Tagebuchs ist der Überblick über die Tage mit Schmerzmitteln. Wer an zu vielen Tagen im Monat Schmerz- oder Migränemittel nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Als Faustregel gilt, Schmerzmittel an höchstens zehn Tagen im Monat einzunehmen. Mehr dazu im Beitrag Kopfschmerz durch Schmerzmittel.
Kopfschmerz, Stimmung und Schlaf
Notieren Sie, wenn Sie möchten, auch Stimmung und Schlaf. So wird sichtbar, ob Kopfschmerzen nach schlechten Nächten häufiger sind oder ob Sie in Phasen mit vielen Kopfschmerzen niedergeschlagener sind. Für den Schlaf eignet sich ein Schlaftagebuch. Diese Informationen sind besonders hilfreich, wenn psychische Belastung und Kopfschmerz ineinandergreifen.
Mit dem Tagebuch in die Praxis
Bringen Sie das Tagebuch zu Terminen in der Hausarzt- oder Neurologiepraxis mit. Es ermöglicht eine genauere Einordnung der Kopfschmerzart und eine passende Behandlung. Auch in einer psychotherapeutischen Begleitung ist es eine gute Grundlage, um Zusammenhänge zwischen Belastungen und Schmerz zu erkennen.
Begleitung in Ulm
In der KLARTRAUM Privatpraxis in Ulm gehören kopfschmerzassoziierte psychische Belastungserscheinungen zu den Tätigkeitsschwerpunkten von Dr. Sarah Gagiannis, Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung fachgebundene Psychotherapie. Mehr unter Psychotherapie bei Kopfschmerz und Migräne.
Quellen: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Patienteninformationen und Kopfschmerzkalender; S1-Leitlinie Migräne (DGN und DMKG).
Dieser Beitrag der KLARTRAUM Privatpraxis dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Notfall die 112.
Häufige Fragen
Gibt es Apps für ein Kopfschmerztagebuch?
Ja, es gibt verschiedene Apps, unter anderem von Fachgesellschaften und Kliniken. Ob Papier oder App, ist Geschmackssache. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig und auch an schmerzfreien Tagen eintragen.
Soll ich auch Tage ohne Kopfschmerzen eintragen?
Ja. Nur so wird sichtbar, wie viele Kopfschmerztage Sie tatsächlich haben und ob sich Auslöser an bestimmten Tagen häufen.
Weiterlesen
- Migräne und Stress: Wie beides zusammenhängt und was helfen kann
- Kopfschmerz durch Schmerzmittel: Die 10-Tage-Regel und was hilft
- Schlaftagebuch führen: So geht es und was es zeigt
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